Bittere Pillen für Millionen Inhaber von Lebensversicherungen: Mehrere große Versicherer spielen offenbar mit dem Gedanken, unattraktive Lebensversicherungen zu verkaufen. Hatten sich die Besitzer der Policen einst oft extra für einen seriösen Anbieter mit großem Namen und hoher Leistungsfähigkeit entschieden, ist nun völlig unklar, wer die Verträge in Zukunft fortführen wird. Auch eine ausländische Übernahme kann nicht ausgeschlossen werden.

Eine Lebensversicherung mit Wertverlust

Die Zeiten für Inhaber einer Kapital-Lebensversicherung werden immer härter. Galt diese Form der Vorsorge noch vor weniger als zehn Jahren aufgrund der guten Kombination aus Absicherung und Vermögensaufbau als attraktives Investment, sind viele Verträge heute nur noch einen Bruchteil dessen wert, was den Inhabern einst in Aussicht gestellt worden war. Schuld an der Misere ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Um wirtschaftlich schlecht aufgestellten Euro-Ländern wie Griechenland und Italien zu helfen, wurden und werden immense Geldsummen in eine gigantische Nord-Süd-Verschiebung gebracht. Das Nachsehen haben dabei vor allem die Sparer in finanzstarken Ländern wie der Bundesrepublik Deutschland. Weil EZB-Chef Mario Draghi und seine Gehilfen den Zins immer weiter gesenkt und sogar ins Negative gedreht haben, verringert sich der Ertrag für private Sparer drastisch. Infolgedessen verlieren Millionen Deutsche von Jahr zu Jahr immer mehr Geld. Und das nicht nur auf Tages- oder Festgeldkonten, sondern auch bei der Lebensversicherung.

 

Versicherer kämpfen ums Überleben

Von der umstrittenen Zinspolitik der EZB sind längst nicht nur die Inhaber von Lebensversicherungen betroffen. Auch die Versicherungsgesellschaften selbst verlieren Kapital und geraten durch die Nichterfüllung einstiger Prognosen unter Umständen in eine wirtschaftliche Schieflage. Es verwundert daher kaum, dass auch große Konzerne wie beispielsweise die ERGO entsprechenden Verlautbarungen zufolge mit dem Gedanken eines kompletten Verkaufs ihrer Lebensversicherungs-Sparte spielen. Die Leidtragenden sind dabei wohl in erster Linie wieder einmal die Kunden. So hatten sich viele der Betroffenen seinerzeit wegen der Bekanntheit und Seriosität für Produkte bekannter Anbieter entschieden. Nun aber kann nicht mehr ausgeschlossen werden, dass die bestehenden Verträge – wie möglicherweise bei der ERGO – in die Hände britischer oder gar chinesischer Investoren gelangen oder von US-Hedgefonds übernommen werden. Ob eine reibungslose Abwicklung zum Zeitpunkt der späteren Auszahlung dann noch rundum sichergestellt ist, dürfte zu den wichtigsten Fragen betroffener Inhaber entsprechender Lebensversicherungen gehören.

Betroffene sollten sich umfassend informieren

Bei den angestrebten Deals geht es um Millionen Lebensversicherungen mit einem Kapitalwert von vielen Milliarden Euro. Allein bei der ERGO wird der Kaufpreis von Wirtschaftsexperten auf deutlich mehr als eine Milliarde Euro geschätzt. Betroffene Inhaber einer Lebensversicherung tun gut daran, die aktuellen Entwicklungen hinsichtlich eines möglichen Verkaufs ihrer Verträge im Auge zu behalten. Auch wenn die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) derartige Geschäfte genehmigen muss, lohnt sich eine tiefgehende Analyse der eigenen Situation.

Da es praktisch allen Versicherern so ähnlich wie der ERGO ergeht, ist es für die Besitzer einer Lebensversicherung sehr empfehlenswert, ihre aktuellen und künftigen Ansprüche zu kennen und zu wissen, mit welchen Auszahlungen beziehungsweise Privatrenten sie rechnen können. Wer sich in dieser Hinsicht unsicher ist oder gar über einen Verkauf seiner Lebensversicherung und die Investition in andere Anlagegüter nachdenkt, der sollte sich in jedem Fall kompetenter und möglichst unabhängiger Beratung bedienen. Wichtig ist, dass am Schluss eine Entscheidung getroffen wird, mit der die Betroffenen langfristig gut leben können.

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