Lehrstunde in Logik: Eine Frage des Goldes

Wer schließt hohe Wetten ab, wenn bekannt ist, dass geschummelt wird? Keiner. Außer es handelt sich um Anleger, die Gold oder Silber (oder auch Bitcoin) kaufen. Deren Preisfindung hat nämlich nicht mehr viel mit Logik respektive dem Spiel aus Angebot und Nachfrage zu tun.

Es ist keine Neuigkeit, dass die Preise für Gold und Silber von den Bullionbanken, der Comex und natürlich den zuständigen Aufsichtsbehörden beeinflusst werden – und das nicht ohne Grund: Wer bevorzugt auf Gold oder Silber setzt, misstraut ganz offensichtlich dem Papiergeld. Und das darf nicht sein, entziehen die Anleger doch auf diese Weise ihr Vermögen dem Einfluss des Finanzsystems. Den Geldfluss effektiv zu kontrollieren, ist doch letztendlich dessen erklärtes Ziel. Da kann es nicht angehen, dass die Investitionen in physisches Gold oder Silber auch noch rentabel sind.

Der Goldpreis: Geschichte wiederholt sich

Der Blick in die Geschichte empfiehlt sich auch in diesem Fall: Die 1970er Jahre bieten sich geradezu an, im Übrigen erledigten zu dieser Zeit die Börsenhändler ihre Transaktionen noch selbst – und zwar auf der Grundlage fundamentaler und technischer Analysen. Nixon schaffte 1971 den Goldstandard ab, die Ölpreise stiegen wegen einiger Sanktionen im Nahen Osten, US-Investoren wandten sich von Aktien und Anleihen ab – die Inflation zog an. Die Ursachen: Haushaltsdefizite und Kriegskosten mussten per Kreditschöpfung und Schulden gestemmt werden. Die steigende Nachfrage nach solidem Geld, also physischem Gold und Silber, ließ die Preise klettern: Wer 1971 eine Feinunze Gold für 35 US-Dollar erworben hatte, konnte sich innerhalb weniger Jahre über einen Goldpreis von 857 US-Dollar für die Feinunze freuen. Bis die FED die Reißleine zog.

Das Ganze nun auf die Zeit um 2008 übertragen: Während die zu bestreitenden Militärausgaben bis 1970 in Milliarden US-Dollar ausgewiesen werden konnten, ging die Kreditschöpfung zur Bankenrettung nach 2008 in die Billionen US-Dollar. Ein Faktor darf jedoch nicht unterschätzt werden: In den 1970er Jahren ließen sich die Investoren nicht programmieren, dafür waren Gold und Silber noch längst nicht so leicht wie heutzutage zu kontrollieren. Nur so ist es zu erklären, dass die Edelmetallpreise aktuell auf einem derart niedrigen Niveau dahin dümpeln – allen gewichtigen Faktoren zum Trotz. Schon in den 1980er Jahren legte Paul Volker fest, dass zunächst der Goldpreis in den Griff zu bekommen wäre, bevor eine US-Regierung eine Finanzkrise bekämpft. Die Macht des Edelmetalls ist offenbar zu groß, als dass es weiterhin als Anlageklasse attraktiv sein darf.

Dollar-Einfluss vs. Goldbestände

Das gilt vor allem auch für die Staaten selbst, die sich mit ihren Goldreserven dem Einfluss der Leitwährung US-Dollar entziehen wollen: Nicht ohne Grund kaufen insbesondere Russland und China kräftig Gold – sie sind die größten Konfliktparteien der USA. Wenn Russland also im Jahr 2017 seinen Bestand an US-Staatsanleihen dazu verwendete, um diese in 224 Tonnen Gold anzulegen, dann kann dies nicht im Interesse der USA sein. Der aktuelle Handelskrieg mit China kommt ebenso wenig von ungefähr. In den 1970ern gipfelten die Turbulenzen darin, dass Gold nicht mehr für US-Dollar zu haben war. Heute übernehmen Maschinen den Börsenhandel, so lässt sich der gefährliche Faktor Mensch effektiv ausschalten. Die Algorithmen lassen sich auf die Einflüsse programmieren, auf die sie reagieren sollen – damit bleiben sie kontrollierbar. Steigt also die Inflation oder eskalieren ringsherum die Konflikte, reagieren die Maschinen nicht mehr mit Goldkäufen, sondern analysieren ganz nüchtern die Performance im Vergleich zu anderen, vollkommen unverdächtigen Anlageklassen. Die Anlageentscheidungen werden automatisch getroffen, die Zentralbanken können sich beruhigt zurücklehnen.

Börsenhandel 4.0 – Logik Fehlanzeige

Die Frage nach der Logik ist also durchaus berechtigt, wenn erfahrene und erfolgreiche Investoren weiterhin erheblich im Edelmetallmarkt oder Bergbau-Aktien engagiert bleiben. Es war aber auch nicht logisch, dass die Banken im Jahr 2008 nicht pleitegingen, nachdem die Immobilienpreise abgestürzt waren. Das war die Folge von gezielten und massiven Eingriffen, die die Realität verschleierten und die Märkte verzerrten. Auch der anschließende Goldpreisverfall war nicht logisch, sondern ein ebenso unnatürliches Ergebnis wie die trotz aller Analyse-Daten boomenden Aktienmärkte. Ein Blick auf die Kurse der FAANG-Aktien zeigt die ganze Misere auf – und doch genießen diese Werte einen besonderen Schutz. Wie der berühmte Kaiser, der sich in Unterwäsche auf der Straße blicken lässt. Erst das kleine Kind, das erschreckt aufschreit, ließ den imaginären Mantel verschwinden.

Wo bleibt also der entsetzte Aufschrei? Überbordende Verschuldung, Entwertung der Papierwährungen, unrealistische Aktienkurse – der eingebildete Mantel ist gigantisch. Ganze Aktienmärkte basieren auf der Stabilität von Papier, das gesamte Finanzsystem ist durchzogen von Betrug und Manipulation. Wie wichtig Gold und Silber sein können, haben Beispiele wie die Türkei, Venezuela, aber auch Argentinien und Simbabwe gezeigt. Die Länder jedoch, die fest im System der US-Währung verhaftet sind, können das Potenzial der Edelmetalle nicht ausschöpfen – noch. Hier wird es mit Sicherheit gravierende Veränderungen geben, irgendwann. Derzeit sind die effektiven Absichten der Kontrollinstanzen, die auf den Finanzmärkten intervenieren und blind regulieren, noch weitestgehend unbekannt.

Dabei wäre die Rückkehr zu Märkten, die sich frei und ohne Regierungskommentare entfalten können, zu Zentralbanken, die sich auf ihre originären Aufgaben wie die Kreditvergabe der Geschäftsbanken konzentrieren und die Märkte in Ruhe ließen, dringend angeraten. Dann könnte sich nämlich die Logik wieder durchsetzen – und die Normalität.

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