Der Goldrausch

Gold: gefragt wie lange nicht mehr

Der Handelskrieg zwischen den USA und China, geopolitische Spannungen im Persischen Golf und nicht zuletzt ein deutlich eingetrübter Ausblick auf die weltwirtschaftliche Entwicklung: Der Profiteur dieser vielfältigen Unsicherheiten ist Gold. ETFs und Zentralbanken stocken ihre Bestände auf wie lange nicht mehr. Der Goldpreis hat die harte Widerstandszone im Bereich von 1.350 Dollar bereits im Mai überwunden und blickt seither nicht zurück. Es spricht viel dafür, dass der aktuelle Preis im Bereich von 1.500 Dollar noch lange nicht das Ende der Fahnenstange darstellt.

Zentralbanken kaufen wieder massiv Gold.

Die Zentralbanken haben in den ersten sechs Monaten 2019 insgesamt 374,1 Tonnen Gold gekauft. Das ist mehr als in jedem anderen Vergleichszeitraum seit 2010. Damals verzeichnete der Goldpreis mit einem Zuwachs um 39 Prozent eines der besten Jahre seiner Geschichte. Besonders kräftig langten die Zentralbanken im zweiten Quartal zu. Mit 224,4 Tonnen stiegen die Nettokäufe um satte 47 % gegenüber dem zweiten Quartal 2018.

Unter den Käufern befanden sich die Zentralbanken Russlands und Chinas. Beide Länder sind seit geraumer Zeit bemüht, ihre Währungsreserven zu diversifizieren: weg vom Dollar, hin zu Gold. Insbesondere Russland ist auf diesem Weg schon weit fortgeschritten. Die Zukäufe von 94 Tonnen seit Jahresbeginn erhöhten den Goldbestand auf 2.207 Tonnen oder 19 % der russischen Währungsreserven.

Polen ist besorgt um finanzielle Stabilität.

Doch es sind nicht nur geopolitische Rivalen der USA, die Gold nutzen, um sich gegen die tausenderlei Unwägbarkeiten des globalen Finanzsystems abzusichern. Spitzenreiter unter den Goldkäufern war im zweiten Quartal Polen. Das Land gilt als wichtigster Bündnispartner der USA in Osteuropa. Dennoch kaufte die polnische Zentralbank mit 100 Tonnen mehr Gold als jedes andere Land.

Diese Menge entsprach einem erstaunlichen Zuwachs der Goldreserven des Landes um 77 %. Adam Glapinski bezeichnete die Käufe als strategisch. Das Ziel, so der polnische Notenbankchef, sei die finanzielle Sicherheit seines Landes zu schützen. Deutlicher lässt sich Misstrauen gegenüber der Weltreservewährung Dollar indirekt nicht ausdrücken.

Investoren stocken auf.

Die großen Goldfonds haben ihre Bestände im zweiten Quartal ebenfalls kräftig aufgestockt. Mit 67,2 Tonnen kauften die goldbesicherten ETFs 99 % mehr Edelmetall als in der Vorjahresperiode. DIe Gesamtheit der Bestände erreichte mit 2.548 Tonnen ein Sechsjahreshoch. Europäische und vor allem britische Fonds verzeichneten die stärksten Zuflüsse. Im Land des ewigen Brexit-Dramas haben Investoren allen Grund, sich um die Zukunft ihrer Währung sorgen zu machen.

Allzeithochs fallen in GBP, CAD, AUD und JPY.

Käufe von Zentralbanken und ETFs haben gepaart mit dem eingetrübten Sentiment bei Aktien und Anleihen den Goldpreis kräftig nach oben katapultiert. Mit rund 1.500 Dollar notiert das gelbe Edelmetall nicht mehr allzu weit unter dem Allzeithoch von 1896 Dollar aus dem Jahr 2011.

In vielen anderen Währungen hat der Goldpreis bereits neue Höchststände erreicht, zum Beispiel in Britischem Pfund, Kanadischem Dollar, Australischem Dollar und Japanischem Yen. Ein Allzeithoch in Euro steht wohl unmittelbar bevor. Das Edelmetall notiert bei 1.341 Euro, weniger als 3 % unter der bisherigen Bestmarke von 1.379 Euro.

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